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Die Aradena-Schlucht liegt
im Gebiet Sfakia. Sie verläuft von den
südlichen Hängen der Weißen Berge zum
kleinen Marmara-Strand (etwas westlich
von Loutro). Die Wanderung durch die Schlucht
wurde bis vor einigen Jahren wegen einer
Stelle, die mit dem Seil überwunden werden
musste, als schwierig angesehen. Vor 15 Jahren wurde anstelle des Seils eine stabile Metall-Leiter in den Fels eingelassen, die diese Passage vereinfachte. Inzwischen (seit 8 Jahren) umgeht man diese Stelle ganz - auf einem soliden, in die linke Schluchtwand eingebauten Weg. Auch wenn es heute diese Umleitung gibt, ist die Aradena-Schlucht kein Fall für Leute ohne jegliche Wandererfahrung: viele Passagen erfordern einige Trittsicherheit, vor allem, wenn man die Schlucht von oben nach unten wandert.
Ich beschreibe diese Wanderung andersherum,
vom Marmara-Strand hoch zum verlassenen
Dorf Aradena, weil ich finde, dass die
Schlucht VIEL einfacher von unten nach
oben zu erwandern ist. Es gibt trotzdem
einige etwas kitzlige Stellen, die beim
Aufstieg aber weniger Erfahrung und Konzentration
erfordern als beim Abstieg. Dass Sie vom
Meeresspiegel bis zum Dorf Aradena einen
Höhenunterschied von 750 m überwinden
werden, ist kaum bemerkbar, da der Aufstieg
sich über die ganze Länge der Schlucht
erstreckt.

Um sie sicher zu durchwandern, brauchen
Sie Wanderschuhe mit vernünftigem Profil.
Wandern Sie NIEMALS in der Schlucht, wenn
es regnet oder kürzlich geregnet hat:
das Risiko von Steinschlag ist sehr hoch.
Wenn wir beim Thema Steine sind: es gibt
ziemlich viele Ziegen in der Schlucht
(nein, keine Kri-Kris!) und diese haben
die Tendenz, Steine loszutreten. Passieren
Sie unten nicht die Stellen, an denen
Sie oben Ziegen sehen. Wenn es keinen
anderen Weg gibt, warten Sie, bis die
Ziegen weiter geklettert sind und scheuchen
Sie sie, falls nötig, weg.
Zuerst müssen Sie zum Marmara-Strand;
dorthin wandert man auf einem Küstenpfad
von Loutro aus (in etwas unter 1 Stunde).
Alternativ dazu bringt im Sommer ein kleines
Boot Leute um 11 Uhr von Loutro nach Marmara.
Erkundigen Sie sich in Loutro, ob es fährt.
Der Eingang in die Schlucht
ist nicht zu verfehlen. Folgen Sie einfach
dem Pfad im Flussbett. Der Beginn der
Wanderung verläuft zwischen hohen Steilwänden,
so haben Sie viel Schatten. Es gibt viele
Oleanderbüsche (sie blühen im Mai und
Juni) im Flussbett. Nicht anfassen, sie
sind giftig und manche Menschen entwickeln
Allergie-Symptome nach Hautkontakt! Nach
ca. 30 Minuten Wanderung wird die Schlucht
breiter und rechts sehen Sie irgendwann
ein Schild ,zur Livaniana-Taverne'. Dieser
Pfad führt Sie hoch zum Dorf Livaniana.
Dies ist eine Alternative, wenn sie nur
eine kurze Wanderung durch die Schlucht
machen wollen. Wenn nicht, marschieren
Sie geradeaus weiter die Schlucht hoch.
Der Pfad ist mit Steinmännchen
und an manchen Stellen mit Farbklecksen
markiert. Behalten Sie diese immer im
Auge, denn es gibt ein paar Stellen, bei
denen Sie den falschen Weg einschlagen
könnten. Sie würden sich nicht verirren,
aber es wird etwas schwieriger für Sie.
Bei einigen Stellen gibt es 2 markierte
Wege. Keine Panik, in diesem Fall sind
beide Strecken in Ordnung.
Ich vergleiche die Aradena-Wanderung
immer damit, eine Treppe mit sehr breiten
Stufen hochzulaufen: man wandert eine
Zeitlang auf fast flachem Grund und kommt
dann zu einer steilen Stufe, dann geht's
wieder flach usw. Gezählt habe ich sie
nie, aber es müssen ca. 6 oder 7 steile
Passagen sein. An genau diesen Stellen
ist man auch besser dran, sie nach oben
zu wandern als nach unten (aber trotzdem
noch vorsichtig sein!)
Nun aber wieder zurück zu unserer Wanderung.
Sie werden bemerken, dass ein schwarzer
Schlauch im Flussbett liegt. Bei der zweiten
steilen Passage, inmitten dicker Oleanderbüsche,
führt dieser Schlauch zu einem Becken,
das Wasser für die Kantine in Marmara
sammelt. Es ist die einzige Wasserstelle
in der Schlucht. Wenn Sie den Schlauch
bewegen, um Wasser abzufüllen, vergessen
Sie bitte hinterher nicht, ihn wieder
korrekt zu befestigen.
Diese "Quelle" verpasst man allerdings
sehr leicht (es ist eine der Stellen,
an denen Sie einer zweiten Markierung
folgen können, die nicht an der Wasserstelle
vorbeiläuft), verlassen Sie sich also
nicht darauf und stellen Sie sicher, dass
Sie für die gesamte Wanderung genügend
Wasser mit sich führen.
Nach ca. 1 ½ bis 2 Stunden erreichen Sie die oben genannte Umleitung der schwierigen Passage. Sie folgen der linken Felswand und können den Umleitungsweg nicht übersehen. Nach dieser Umgehung geht's steil weiter und bald können Sie hoch oben die Brücke sehen, die von Anopolis nach Aradena führt.
Sie müssen unter der Brücke
durch- (wo Sie oft genug Müll und angesammelten
Scheußlichkeiten begegnen) und für weitere
10 Minuten das Flussbett weiter hochlaufen.
Dann kommen Sie an gut ausgebaute Wege,
die im Zickzack aus der Schlucht heraus
nach oben führen. Wenn Sie den linken
nehmen, gelangen Sie auf ihm zum alten
verlassenen Dorf Aradena, wenn Sie den
rechten wählen (der ca. 40 m weiter oben
beginnt), führt er Sie auf der anderen
Schluchtseite zum Dorf Anopolis.
Wenn Sie noch nie vorher in Aradena waren,
würde ich Ihnen einen Besuch unbedingt
empfehlen. Sie bekommen eine Idee von
traditioneller kretischer Bauweise, und
der Ort hat sehr viel Atmosphäre. Hier können Sie Fotos der Häuser
sehen.
Wenn Sie nach Anopolis weiterwollen,
folgen Sie ca. 30 Minuten lang der Straße
(nach Osten! Laufen Sie westwärts, kommen
Sie nach Agios Ioannis, wo die Straße
endet) und gelangen zum Dorf Anopolis.
Wenn Sie nach Chora Sfakion weitermüssen
(ca. 13 km auf der Straße), werden Sie
sicher von irgendeinem Auto mitgenommen,
wenn nicht von Touristen, dann bestimmt
von Einheimischen. |